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Jun 14 2010

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Erlebnisbericht: Augsburg – Sölden – Augsburg in zwei Tagen

von Martin Utz

Zusammen mit dem RSG-Amateur Christoph Nenning machte ich mich am Wochenende (12. und 13.6.2010) mit Rad und Rucksack auf den Weg nach Sölden in Tirol.  Da wir beide in Augsburg studieren, starteten wir von dort aus.

Um 6:30 Uhr verließen wir Augsburg Richtung Süden. Immer grob dem Lech folgend überquerten wir nach 100 km um punkt 10 Uhr bei Füssen die Grenze.

Bei mehr als 25 Grad erklommen wir bis Mittag das Hahntenjoch, in Imst hatte es dann 32 Grad. Die weitere Fahrt über Sausten ins Ötztal war dann weniger angenehm. Stetiger Gegenwind und bereits 180 km in den Beinen machten die Sache nicht leichter. Drei Kilometer vor Sölden kam dann noch ein Regenschauer dazu, so dass wir uns kurz unterstellten. Es blieb aber warm.

Nachdem wir eine Pension gefunden hatten, machte ich mich alleine noch auf den Weg zum Tiefenbachgletscher. 14 Kilometer steigt die Straße mit im Schnitt über 11 % an, die steilsten Stellen haben 16 %. Das Wetter war wieder freundlich, am frühen Abend hatte es auf 2300 m ü.d.M. noch 21 Grad.

Die Auffahrt ist unwirklich. Die Skistationen sind geschlossen, so dass ich außer einem Auto- und einem Radfahrer allein in dieser unheimlichen Gegend unterwegs war.

Die letzten 1,7 km zum Tiefenbachgletscher führen durch den spärlich beleuchteten Rosi-Mittermeier-Tunnel (siehe Bild oben links). Von Anfang an sieht man aber das sprichwörtliche „Licht am Ende des Tunnels“.

Doch nach langen 1,5 Stunden hatte ich den höchsten mit dem Rennrad befahrbaren Punkt in den Alpen erreicht, 2829 m ü.d.M! Während der paar Minuten, die ich im Tunnel war, hatte allerdings das Wetter umgeschlagen: es schneite, 25 Grad weniger als noch vor 4 Stunden in Imst. Die Abfahrt im Dauerregen durch die steilen Kehren war dann eine sehr kalte Angelegenheit. Die Topgeschwindigkeit dennoch 96 km/h auf der Geraden zur Mautstation.

Nachdem Christoph nun schon gut zwei Stunden auf mich gewartet hatte, ging es endlich zum Abendessen.

Am Sonntag war die Stimmung etwas gedrückt. Zum einen die Erschöpfung des Vortages nach über 250 km mit fast 5000 Höhenmetern, zum anderen der tiefe Nebel und die nassen Straßen.

Um 9 Uhr fuhren wir erst einmal getrennte Wege: Heute nahm Christoph die Gletscherstraße in Angriff, auf der es lange neblig und empfindlich kühl blieb. Aber auch er hatte sich für dieses Wochenende die Bezwingung dieses Superlativs vorgenommen. Und: halbe Sachen gibt’s bei der RSG nicht!

Ich für meinen Teil wählte einen „sanfteren“ Berg als Aufwärmprogramm für die Heimfahrt: das Timmelsjoch. Bereits ein paar Kehren nach Zwieselstein waren alle Wolken verzogen, blauer Himmel und beste Sicht von der Panoramastraße. Nach der Mautstation folgt leider erst eine Abfahrt, bevor es endgültig im Timmelsbachtal auf 2479 m  hoch geht. Urplötzlich kam an der Passhöhe von der italienischen Seite her Nebel auf, Sichtweite unter fünf Metern. Ich hätte nicht mit den Motorradfahrern tauschen wollen, die mich gerade noch überholten und jetzt ins Passeiertal wollten. Für mich folgte der angenehmere Teil: die Abfahrt, ohne Nebel. Dank des starken Jochwindes erreichte ich 107,5 km/h in der Spitze.

Vor Sölden traf ich wieder auf Christoph, der mir schon entgegen radelte und die Rucksäcke aus der Pension geholt hatte. Angenehm rollten wir das Ötztal runter nach Imst.

Es stand die letzte große Prüfung auf dem Programm: das Hahntenjoch von Imst, bereits vor dem Ortsausgang Steigungen mit zweistelligen Prozentwerten.

Christoph machte weiter einen fitten Eindruck, während ich nicht wusste, ob ich mehr mit mir oder doch mit dem Berg kämpfte. Gegessen und getrunken hatte ich ausreichend, die Beine an sich machten auch mit und dennoch ging es nicht vorwärts. Nachdem Christoph eine halbe Ewigkeit auf mich gewartet hatte, ging es endlich wieder runter. Nach ein paar Minuten kamen wir in ein Gewitter, nach kurzem Unterstellen fuhren wir im Regen weiter.

Bis Reutte: Regen. Bis Füssen: Regen. Bis Augsburg: Regen. 150 km Regen. Hände und Füße aufgeweicht vom Wasser wie nach Stunden im Freibad.

Das tückische während der letzten 1,5 Stunden war, dass es ohne Richtungswechsel nach Augsburg ging. Nur noch monotones Fahren nach 9 Stunden im Sattel, die Konzentration auf einem Tiefpunkt. Zum Wachwerden half kurz vor Augsburg noch ein Schluck Cola, um den Stadtverkehr zu überstehen. Ziemlich erschöpft, noch rechtzeitig zum Spiel Deutschland – Australien, waren wir nach mehr als 265 km wieder in unserer „Wahlheimat“ Augsburg.

Die Strecke, die Höhenmeter und das Gelände, aber auch das Wetter machten diese Wochenendtour  zu einem Rennraderlebnis der Extraklasse.

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